Fachkräftemangel? Nicht mit uns!

Wie ein kleines Wiener High-Tech-Startup auf Intergenerationalität und fachliche Erfahrung setzt.

Bericht und Fotos von Daniel Eberharter

Hinter den meisten Fassaden verbergen sich oft unerwartete Überraschungen. Wer hätte gedacht, dass sich in einem ruhigen Hinterhof einer unscheinbaren Einbahnstraße im 15. Wiener Gemeindebezirk ein High-Tech-Startup verbirgt, welches federleichte Stützhilfen zur Entlastung des menschlichen Körpers während der Arbeit konzipiert. Der Rentner Richard Zlabinger ist Spezialist auf dem Gebiet der technischen Zeichnung und hilft dem jungen Startup. Gefunden haben sie sich über die Jobplattform WisR.

John Bernhardt ist ein Experte auf dem Gebiet der Robotertechnik. Er hat seiner Masterthesis zu dem Thema an der Harvard Universität erarbeitet und beschäftigt sich schon seit längerem mit Exoskeletten. “Den meisten Menschen sind Exoskelette aus Science-Fiction-Filmen wie Aliens ein Begriff”, lächelt der Wiener mit russischen Wurzeln.

Gemeinsam mit Veronika Pauser gründete John im Dezember 2018 die Exomys - Augmented Humanity GmbH, um in einem intergenerationalem Team unterschiedliche Arten von modernen Stützhilfen zu entwickeln. Eines der Modelle hilft, so wie der Powerloader aus Aliens, beim Heben von schweren Lasten, allerdings ist Johns Modell bei weitem nicht so unhandlich.

Einzigartig & leicht

“Das Besondere an unseren Produkten ist, dass sie mechanisch funktionieren, also ohne Motor, Strom oder Batterien”, so John. Der Vorteil liegt für John auf der Hand: “So sparen wir viel Gewicht und noch teurere Motoren”. Wieviel die Exoskelette im Handel kosten, kann John zwar noch nicht verraten, betont aber, dass sie “nur ein Zehntel der jetzt gängigen Exoskelettpreise kosten werden”.

Ein weiteres Unikum: Die Exoskelette sind klein und leicht genug, um unter die Kleidung zu passen. Sie sollen letztlich bei der Arbeit unterstützen und diese nicht behindern.

WisR Matches: Richard
Richard (li.) und John basteln in ihrem Büro an den Prototypmodellen für die Beinunterstützung, auch “mobiler Stuhl” genannt. Er kann bequem unter der Jeanshose getragen werden.

Derzeit arbeitet das Team rund um John an zwei unterschiedlichen Modellen, die beide zur Entlastung bei schwerer körperlicher Arbeit z.B. am Fließband oder in der Logistik beitragen sollen. Die Exoskelette werden mit Ortophäden entwickelt und dienen der Präventation von gesundheitlichen Schäden bei schwerer oder einseitiger Arbeit.

“Unsere Zielgruppe sind Bauunternehmen, Autoindustrie und Logistikunternehmen, in denen entweder viel am Fließband oder mit schweren Lasten gearbeitet wird. 80 % der ArbeitnehmerInnen in der Bauindustrie gehen in Frühpension”, so John.

Fachkräftemangel? Nicht mit uns!

“Senior Talent” Richard Zlabinger kam dem jungen Unternehmen mit seiner fachlichen Kompetenz wie gerufen. Er bringt jene Erfahrung mit, die ein High-Tech-Startup von Beginn an benötigt. Denn auch wenn viele Fertigkeiten auf theoretischem Wissen basieren und auf dem Computer wie geschmiert ablaufen, so kann es manchmal an der praktischen Erfahrung scheitern.

WisR Matches: Exomys
Gelebte Intergenerationalität: Das Exomys Team v.l.n.r.: John Bernhardt (CTO), Veronika Pauser (CEO), Richard Zlabinger, Maximilian Georg Daniels

Richard streicht besonders seine Expertise auf dem Feld der Verbundtechnik hervor. “Die Exoskelette bestehen aus beschichteten Carbon. Ich habe Hands-On-Erfahrung mit diesen Materialien. Vor einigen Jahren habe ich eine 15 Meter lange Hochseeyacht gebaut und selbst von Wien bis in die Adria nach Dubrovnik überführt”, erzählt Richard stolz.

Sein WisR-Lebenslauf zeugt von seiner fachlichen Kompetenz. Er arbeitete in der Prozessteuerung bei Siemens Austria, war Verkaufsleiter für TIXO in Afrika und Betriebsleiter für Steyr in Nigeria - und das war nur ein kleiner Auszug.

Richard hat Spaß an neuen Herausforderungen

Richard geht es wie vielen Menschen im Ruhestand, die auch in der Pension einen Job suchen und sich deshalb bei WisR anmelden: “Damit ich in meiner Pension nicht in einem geistigen und körperlichen Vakuum gerate, beschäftige ich mich mit verschiedenen technischen Projekten und betreibe Sport.” Richard suchte erst recht in der Pension eine geistige Herausforderung.

Dass ein Startup mitunter anders funktioniert als ein Großkonzern stört Richard nicht im Geringsten: “In einem Startup machen Alle alles”, lacht der sympathische 70er und zwinkert dabei John zu. Dieser erwidert fast erleichtert: “Wir haben das sprichwörtliche eierlegende Wollmilchschwein gesucht - und gefunden!”

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